spring

es wird wärmer und das eis schmilzt. auch die scherben, die du zurückgelassen hast. ich sehe dich jetzt nicht mehr, zu weit bin ich gegangen und doch noch so nah. die sonne blendet mich und ich bin wieder ein kind. ich fühle, und laufe ohne zu fallen.

it begins.

so fucking far from home


ich weiß nicht wie es dir geht, aber das was mich wirklich wahnsinnig macht ist selten der mensch der geht, sondern der gedanken an das potential der dinge, die man nun nicht mehr mit diesem menschen tun wird. wenn ich unsere nachrichten lese, wundere ich mich darüber wie emotional, wie peinlich, wie verzweifelt ich war, wenn ich glaubte dich zu verlieren. die explosion hat mich herausgeschleudert aus unserem lächerlich kleinen kosmos. ich sehe mich von außen und denke, dass ich nun doch, tatsächlich, älter geworden sein muss. aber du bist der gleiche geblieben, zumindest werde ich das so sehen können, weißt du, es wird mir egal sein, was du dazu zu sagen haben glaubst. mon amour, ich werde mich nicht mehr bemühen um dich, mich nicht mehr vor mir selbst entblößen für dich. wenn ich zurück sah, konnte ich träumerisch verklären, aber nun diese klebrigen lächerlichkeiten, schwarz auf weiß, das geht nicht. ich lese, sehe, verstehe sie und schäme mich für dich und für mich. was waren wir denn je, abseits von den tagträumen. draußen wird es kälter. wenn du mich fragst, über den winter werden wir es nicht mehr schaffen.
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copyright of the picture: mine, please ask for permission to use it.

vielleicht war es nie mehr


das besondere ist vielleicht immer nur das, was wir in der vergangenheit sehen wollen. konstruierter, retrospektivischer wert. nicht real, aber gezwungen gefühlt. l'amour. weil wir nicht glauben wollen, dass wir zeit verschwenden und verschwendet haben. stunde um stunde der lächerlichkeit.

ich glaube nicht, dass du verstehst. du glaubst an einem wert, der nicht mehr existiert. zwar wissen wir um die fiktion, aber wir wollen es nicht wahrhaben. unsere realität ist hässlich.
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arnulf rainer, "blind und stumm"


es wäre naiv zu glauben, dass du nicht fehlst, dass ich nicht bereue, was ich getan habe. ich habe keine entscheidung getroffen, ich bin weggelaufen. und es gibt sie immer noch, die nächte in denen ich deinen duft in einem gestohlenem stück stoff suche. tränen haben es grau gefärbt.  implosion, wenn ich begreife, dass es kein zurück gibt. das weder das eine noch das andere falsch sein kann. es wäre naiv zu glauben, dass ich dich zurückgelassen hätte. du bist immer noch da. so sehr, dass es schmerzt. 

aber ich werde es sagen, bis ich es glaube:
bye bye
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wir werden sehen

und wir werden aufhören nachzudenken. die gedanken kennen wir ohnehin. die gedanken über das morgen werden es uns nicht klarer machen. ich habe alles was ich brauche und werde gehen. und der zweifel darüber, ob du bleibst, hält mich nicht. solange ich mich bewege lebe ich noch. der weg spielt keine rolle, denn ich werde ihn erst kennen, wenn ich den ersten schritt mache. ich werde aufhören nachzudenken. ich werde sehen.

method acting

es ist faszinierend das sie noch geht, dass sie läuft. und trotz der tränen sieht sie stolz aus. unter ihrer last wären andere längst zusammengebrochen. schlag folgt auf schlag, aber sie. weiter. sie geht und scheinbar kann es ihr nichts mehr anhaben. sie ist faszinierend und gefährlich, selbst wenn sie es nicht sein will. sie ist zu allem fähig. und ihr eigentlicher kampf gilt nur noch der kontrolle. ihre wunden sind offensichtlich. sie trägt sie, achtet nicht darauf. weiter. entschlossen, geradeaus, weiter. sie weiß das sie heilen werden die wunden, irgendwann. und sie schaut nicht mehr nach links oder rechts während sie geht.

ich habe nie einen schöneren, anmutigeren menschen gesehen.
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sie wird weiterlaufen. das tempo bestimmt sie und wer nicht mitkommt, den wird sie zurücklassen. sie weiß von dem was sie belasten könnte und belastet, aber sie läuft, um die last nicht zu bemerken. lachend, lächelnd, weiter. niemand darf ihr von dem erzählen, was sie nicht sehen will. sie weiß das. und sie wird es nicht zulassen, auch nicht verleugnen. sie wird gehen, laufen, schneller, lachend,  und du wirst zurückbleiben.
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der schein schützt sie. sie ist geheimnis, auch wenn sie nicht schweigt. ihre grenzen hat sie definiert. sie wird sie nicht überschreiten. sie bestimmt, was andere wissen werden und worüber andere reden. sie ist schwach, aber niemand würde es bemerken. wenn jemand ihr geheimnis berührt rafft sie das letzte bisschen kraft zusammen, sie schlägt um sich und trifft. und sie lässt nicht ab, bis der andere beschließt nicht wieder zu kommen. der schein wird bleiben.

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sie haben ihre methoden, und niemand wird ihnen zu nahe kommen. es funktioniert und es wird funktionieren. es wird die geben, die aufgeben, beschließen zu gehen, weil sie ihre last nicht mehr tragen wollen. oder die die stehenbleiben, sich der veränderung verweigern aus angst vor schmerz. umso faszinierender, die die entschlossen weitergehen, unaufhaltsam, stark, anmutig.

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picture: birgit jürgenssen, selbst mit schädel

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pitures: mine

puppenspiel

eine puppe, eine schaufensterpuppe, also ein objekt, sich zur schau stellend. die puppe ist nackt, und sie ist schön. schön- geschnitten, geformt, zusammengesetzt. bauch beine po. ihre augen sind weit geöffnet, auch diese: schön. ihr mund ist unter einer maske, einem mundschutz, einem tuch verborgen. puppen können nicht sprechen. um ihren kopf schließt sich ein käfig. ein vogelkäfig, das türchen steht offen. puppen können nicht fliegen. der scham der puppe ist bedeckt mit einem gesteckt aus blümchen, darüber ein herz aus haar. wie ein schmuckkästchen. denn puppen haben keine vaginas, keine vulgäre lust, sie haben schmuckkästchen, scham.

der reiz der puppe. zerbrechlich, schön und still. adrett. fordernd nicht mit worten sondern mit einem augenaufschlag. romantisch. hingebungsvoll. flatternde kleidchen im wind. dreh dich puppe dreh dich. wie viele von uns verfallen diesem reiz? doch das puppenspiel ist tükisch. haben wir uns erstmal darin verfangen, lässt es uns nicht mehr los. es wird zu einem verhaltenscodex, mit dem wir glaubten nur spielen zu können. wir glaubten an eine macht des schönen, stillen forderns. wir träumten vonm feminismus des wimpernaufschlags, der schönen augen. wir haben vergessen, das puppen leblos sind, das spiel nur spiel sein kann. unbemerkt haben wir uns selbst gefangen in einer leeren welt des puppenspiels.
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bild: exposition internationale du surrealisme, 1938

maybe it is not enough

beziehungen sind mathematik. wirtschaftliche abwägungen. trotz aller poetik, leidenschaftlicher verklärung. was du mir wert bist bestimme ich. kaltherzig, distanziert blicke ich auf uns und rechne.  ich berechne unser potential, die wunden, die wir uns zufügen werden, ich sehe, was du mir geben kannst. ich bin gierig. und ich weiß das ich gehen werde wenn du nicht genug bist. wo sind nur die schönen worte geblieben, fragst du mich, frage ich mich. sie sind nur der schleier, den ich über meine berechnungen gelegt habe, sage ich. die wahrheit ist nicht schön, und ich verleugne sie. die wahrheit ist weder falsch noch ist sie wahr. wenn die flüchtigkeit des moments, die unbändigkeit, die schönheit regieren, kann ich dich nicht sezieren. kann ich uns nicht analysieren, will ich nicht gehen. aber ist das genug? nein, schreit die gier, schreie ich. 


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relationen


"wir stecken immer zwischen zwei abwesenden."

selbst gebildet mit fremden rohstoffen.
vielleicht letztendlich anonym. one day i will kill we. ich weiß das und ihr auch. und du.
zwischen den abwesenden, den verlassenen, dem morgen. im verhältnis zueinander geben wir uns impulse, vielleicht werden wir sie alle verbraucht haben, bis wir uns loslassen. vielleicht nicht. und es wird ein potential geben, dass ungenutzt bleibt, vorhanden, aber übersehen, vorbeigelebt.
vielleicht wird es der veränderung trotzen, sich eines tages erfüllen. oder wir verlieren es, während wir uns hysterisch aufbäumen, alle kraft verlieren, im widerstand gegen den wandel. see what's happening.

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zitiert: "frédéric beigbeder, "der romantische egoist"
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